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Christel Jeschkes Kunst blüht in der Stille

Deutlich spürbar ist im Werk von Christel Jeschke die große Hochachtung vor der jahrhundertealten Malkultur der großen Meister. Diese Hochachtung ist der Ansporn, aus dem heraus beeindruckende Bilder entstehen, die vor allem von Kennern und Liebhabern der malerischen Kunst sehr geschätzt werden. Abseits von der Galerieszene und von den rasch wechselnden Moden des Kunstbetriebes ist hier ein reiches Œuvre entstanden, das überzeitliche Gedanken und Empfindungen mit ästhetischen Mitteln zum Ausdruck und somit zur Wirkung bringt. Geschätzt wird ihr Werk, das bisher öffentlich kaum bekannt ist, vor allem von Privatsammlern. Neben den Arbeiten auf Leinwand sind auch Wandgemälde für Privathäuser entstanden.

Christel Jeschke konzentriert sich in aller Stille und Abgeschiedenheit auf das Wesentliche der Malerei, nämlich auf den Zusammenhang zwischen Ethik und Ästhetik. Es geht ihr um die Frage wie es möglich ist, humanitäre Inhalte in die Sprache der Kunst zu übersetzen. Die Transformierung gelang ihr im Laufe ihrer künstlerischen Entwicklung immer überzeugender. Die Resultate jenes Reifeprozesses sind moderne Allegorien, die neben den Werken der Kunstgeschichte Bestand haben.

Mit dem Erlernen der Technik begann sie bereits Ende der 50er Jahre, als junge Frau, an der Werkkunstschule in Wuppertal. Dort war sie Schülerin von Professor Walter Wohlfeldt, der den Schwerpunkt auf das Akt- und Figurenzeichnen legte. Diese Studien erweiterte sie später vor den Originalen von Albrecht Dürer, Francisco de Goya und Thomas Gainsborough (1727 – 1788). Wie in der Ausbildung der klassischen Akademien früherer Jahrhunderte wurde auch von Christel Jeschke ein jahrelanges Kopieren von Meisterwerken der Kunstgeschichte vorangestellt. Auf diese Weise lernte sie die Schwierigkeiten und Bewältigungsmöglichkeiten der technischen Probleme der Kunst auf sehr intensive Weise kennen. Wichtige Einsichten ergaben sich aus jenen Erfahrungen.

Die gründliche und technisch raffinierte Ausführung bildet die Voraussetzung für die Wirkungskraft ihrer Bilder. Figuren, Szenen, selbst kleine Gesten und scheinbar unwesentliche Details fügen sich hier zu einem Gesamteindruck zusammen, der tief in die Seele dringt. Aus der ausgeprägten Imaginationskraft der Künstlerin entsteht eine Symbolsprache, die sich im Laufe des Malprozesses immer weiter verdichtet. Dabei vermeidet sie ganz bewusst ausgetretene ikonographische Pfade, sie lädt vielmehr die Szenerie, deren erste Bedeutungsschichten durch ganz alltägliche Begegnungen initiiert werden können, mit geheimnisvoller Spannung auf. Dabei geht sie nach keinem strengen Konzept vor. Am Anfang steht eine Idee. Die Umsetzung dieser Idee vollzieht sich Schritt für Schritt in einem Prozess, in dem die ursprüngliche Idee je nach der Entwicklung des Bildes sogar vollkommen in den Hintergrund treten kann. Meistens beginnt sie „alla prima“, wie es schon die Maler der Renaissance zu tun pflegten, und führt die weiteren Schritte in Öllasurtechnik aus. Auf diese Weise entsteht der surreal erscheinende Grundton, der ganz zum Figurenton passt, in deren Reigen immer wieder eine Dame mit überlangem rotlackiertem Fingernagel auftaucht, ein ikonographischer Grundtypus, der sich durch viele ihrer Werke zieht. Solche bewusst gesetzten Akzente, die dem oberflächlichen Blick verborgen bleiben, dringen tief ins Unbewusste und entfalten eine Assoziationskraft von ungewöhnlicher Dichte. Augenfällig ist auch die Einbeziehung von Tierdarstellungen in den Kontext des Bildes. Auch hierin steckt eine programmatische Absicht, denn hier schwingt die Sehnsucht nach der Harmonie zwischen allen Geschöpfen des Universums mit.

Dr. Helmut Orpel (Kunsthistoriker)                                                                                              

Ansprache von Herrn Friedrich-Wilhelm Jeckel anlässlich der Einzelausstellung im Nebbienschen Gartenhaus Frankfurt im Februar 2010.

Liebe verehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Malerei,

Frau Christel Jeschke gibt uns heute und in den kommenden drei Wochen einen Einblick in ihr malerisches Schaffen. Hierfür bieten das Ambiente und die Intimität dieses herrlich gelegenen „Nebbienschen Gartenhauses“ einen wunderschönen Rahmen.

Christel Jeschke wurde geboren in Memel - damals Ostpreussen - und hat deutsche und litauische Vorfahren, die ihrerseits schon durch Phantasie, Einfallsreichtum und Schaffensdrang aufgefallen waren. Was Wunder, wenn aus solchen Wurzeln ein Kind hervorgeht, das bereits als Vierjährige erstaunliches Mal- und Zeichentalent erkennen lässt: Während ihrer Schulzeit zieren ihre Portraits von Lehrern und Mitschülern Flure und die Aula.

Parallel zu ihrer kaufmännischen Ausbildung will sie auch ihre malerischen Talente fortentwickeln. Sie nimmt Unterricht bei Professor Wohlfeld an der Werkkunstschule Wuppertal. Dort lernt sie das künstlerische Sehen und den Umgang mit den Materialien beim Akt- und Figurenmalen - entwickelt ihren Sinn für die Linie, den Strich, die ihr bis heute für ihre Darstellungen wichtig sind. Vervollkommnung sucht sie beim ausgiebigen Kopieren grosser Meister wie Goya, Raffael oder Gainsbourrough und der Zeichnungen Albrecht Dürers, denen ihre tiefe Verehrung gilt.

Ja, das Zeichnen: es entsteht mit enormer Produktivität neben Christel Jeschkes malerischem Schaffen und hat dabei – wie sie betont - sichtbaren Einfluss auf ihre Malerei: Geschult an den alten Meistern malt sie mit der Genauigkeit des Zeichners.

Ihre Maltechnik heisst seit der Renaissance – alla prima- d. h. Ölmalerei, deren Farbtöne direkt beim Malen auf der Leinwand entstehen. Dies setzt im Entstehungsvorgang ein starkes „inneres Bild“ und herausragende Maltechnik mit Pinsel, Hand und Lappen voraus.

Um ihre Möglichkeiten zu vervollkommnen nahm sie wiederholt Einzelunterricht bei Manfred Aichholzer in Pörtschach - Kärnten. Von ihm - wie zuvor schon von Professor. Wohlfeld in Wuppertal werden ihre zeichnerischen und malerischen Talente sowie der Qualität ihrer Arbeiten als hervorragend bewertet.

Und was malt Christel Jeschke. Sie bemalt Hausfassaden, Innenräume, Möbel, Teppiche, gestaltet Geschäftsräume – hierfür erhielt sie zahlreiche Aufträge privater Interessenten – hinzu kommen Aufträge für Kopien prominenter Originale sowie Portraits von und für Privatleute.Bevorzugte Gegenstände sind Menschen und Tiere und deren Begegnung.       

Aber was ist jetzt „Ein bisschen anders“?                                                                                                 

Beim genauen Hinsehen vieles: Christel Jeschkes Malerei ist intensiv farbig – aufgrund ihrer Technik aber nicht bunt oder grell – abgesehen von wenigen Arbeiten in Acryl. Ihre Gegenstände sind realistisch, sofort erkennbar – aber nicht real – eher surrealistisch: Sie verehrt Dali. Begegnungen, Beobachtungen, aber auch Träume und Phantasien sind es aus denen die Künstlerin fast unbegrenzt schöpft. Nicht zu vergessen: sehr oft ein Quentchen Ironie.

Urbilder, aufblitzende Bilder werden ergriffen und danach gestaltet, münden in zeichnerische Entwürfe, werden und entwickeln sich bei der Arbeit oder bleiben und werden als Bilder fixiert.

Wichtig ist für Christel Jescke die Linie, wie sie es nennt. Der gestalterische Wurf,  der aus der Zeichnung heraus den Gesamteindruck bewirkt. Die Titel ihrer Arbeiten geben gelegentlich Hinweise – wollen aber die Phantasie des Betrachters nicht gängeln.  

Die Geschichten, die Jeschkes Bilder erzählen, sind oft uralt- sie entstehen aber erst im Kopf des Betrachters – und das macht sie sehr modern.… das sind auch die Preise der Bilder; sie errechnen sich aus dem Arbeitsaufwand – nicht zu vergessen;Christel Jeschke ist auch bilanzsichere Buchhalterin. 

Nicht anders – oder nur ein wenig – sind ihre Portraits: sie sind in ihrer Qualität altmeisterlich , atmen aber die Luft des „Hier und Heute“             

Seien Sie offen für ein vielschichtiges und vielseitiges Werk.      

Ich wünsche Ihnen anregende Beobachtungen und Gespräche.

Ganz zum Schluss: der rote Fingernagel bleibt ein Geheimnis.

Selbstbildnis 1986

Selbstbildnis 1996

Selbstbildnis 2015

C. Jeschke vor ihrem Lieblingsbild “Der Faden”  

(Foto kb)

Malen um des ästhetischen Vergnügens willen

ein Porträt von Kristina Benischek

Die Dreieicher Künstlerin Christel Jeschke malt Menschen, Tiere und Gegenstände realistisch und real, aber auch gleich- zeitig surrealistisch. Traum und Wirklichkeit vereinen sich zu etwas anderen Gemälden. In der Darstellung gibt es für sie keine Grenzen, denn Ihre Werke bilden nicht einfach Motive ab, sondern erzählen Geschichten, die Spielraum für individuelle Interpretationen bieten.

DREIEICH. Wer das idyllische Landhaus mit Vorgarten betritt, fühlt sich gleichsam in eine bunte Galerie versetzt. Bereits in der Diele empfangen großformatige Ölgemälde die Besucher. Zwei Bilder zeigen die Bewohnerin selber. Es sind Selbstbildnisse, denn Hausherrin, die eine ihrer selbst geschneiderten Hosen trägt, ist Malerin.    

Der Blick schweift weiter auf das offene, helle Wohnzimmer, dessen Wände die Besitzerin kunstvoll mit Säulen und menschlichen Figuren ausgemalt hat. Über dem Kamin hat sie einen Steineffekt gezaubert, die Leisten an der Decke sind von eigener Hand bemalt. „Sonst sind mir die Wände zu nackt“, lächelt Jeschke. Doch nicht genug: Überall stehen und hängen Gemälde in unterschiedlichen Formaten. Sie zeigen den „Neuen Realismus“, dem sich die Malerin verschrieben hat.

Jeschkes „Neuer Realismus“  

Was die Künstlerin darunter versteht? Menschen, Tiere und Gegenstände realistisch und real dargestelltaber gleichzeitig surrealistisch. In der Darstellung gebe es dabei keine Grenzen, jede Form und jeden Gedanken könne man sich vorstellen, erläutert die Malerin. Diese Arbeitsweise ist in ihrem ganzen Haus sichtbar. Vom Dachboden bis zur Waschküche gibt es keine Fläche, die nicht von der Malerin mit ihren Bildern oder Wandmalereien verziert wäre, keinen Schrank, der nicht die Handschrift der einfallsreichen Bewohnerin trägt.

„Ich besitze die Dreistigkeit, mit dem Pinsel an die Wand zu gehen“, schmunzelt die Künstlerin. Aber auch vor den Fußböden macht ihr künstlerischer Tatendrang nicht Halt. Die blauen Blumen auf dem Teppichboden im Büro beispielsweise hat sie mit Acrylfarbe zum Erblühen gebracht.

Christel Jeschke zeichnet und malt, seit sie, so wörtlich, „einen Stift in der Hand halten kann.“ Mit den daraus entstandenen ersten Zeichnungen habe sie als Fünfjährige sogar ''gehandelt“ und dabei solides kaufmännisches Talent entwickelt. Ein Mal habe ein Spielkamerad sogar seinen Roller gegen ein Bild tauschen wollen, was ihre Mutter aber nicht zugelassen habe. Später in der Schule portraitierte sie ihre Mitschüler und Lehrer; zeitweilig zierten ganze Galerien von Bildern die Aulawände.   

Das kreative Talent hat die Künstlerin offensichtlich von der malerisch begabten Mutter geerbt, die als Modistin und Näherin die Familie im zweiten Weltkrieg ernähren musste. Der Werdegang des jungen Mädchens führte zunächst auf die Handelsschule mit einer Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin. Als sie bald darauf ein Modehaus in Wiesbaden eröffnete, gab sie das Zeichnen und Malen dennoch nicht auf. Im Gegenteil. Sie entwickelte ihr Talent stetig weiter, indem sie in ihrem Geschäft auf großflächige Tapetenrollen malte. Zuvor hatte sie sich als damals als sehr junge Frau von Professor Walter Wohlfeld in Wuppertal und viel später von Manfred Aichholzer in Pörtschach ausbilden lassen.

In der Küche deutet die Künstlerin auf drei kopierte Albrecht Dürer-Stiche an der Wand. Professor Wohlfeld habe sie damals ermuntert, alte Meister mit Hilfe von Feder, Tusche und Rasierklinge auf Pergament zu stechen, um ihr zeichnerisches Talent zu verfeinern. Noch heute ist sie voll des Lobs ob dieser Lehrmethode,,die ihr solide künstlerische Grundlagen verschafft habe. „Wer nicht zeichnen kann, ist kein Maler“, verkündet Jeschke denn auch selbstbewusst, wobei ihre grünen Augen blitzen. Ein absolutes Vorbild in der Gegenwart ist für sie der Maler Michael Triegel aus der Leipziger Schule.

Die Motive und Figuren entwickeln sich während des Malvorgangs, erklärt Jeschke und deutet auf ihr Lieblingsbild, dem sie den Titel „Der Faden“ gegeben hat. Auch bilde das Ölgemälde nicht einfach ein Motiv ab, sondern erzähle die Geschichte einer jungen Frau, die vom Rücken eines Schafs einen Faden auf- oder abwickele. Diese Art der Darstellung mache Bilder „spannend“, erläutert die Künstlerin, und die Betrachter könnten sich ihre eigenen Vorstellungen dazu machen. Zum Beispiel bei Gemälden wie das einer rothaarigen Frau mit Frosch oder zwei Models, die sich vor einem Spiegel unterhalten. Die Bilder sind zwar mit Titel versehen bieten aber Spielraum zu individuellen Deutungen und stehen für sich, ohne, dass die Künstlerin eine Interpretation vorgibt.

Jeschke malt in Acryl, wenn ein Bild modern wirken und schnell fertig werden soll. Bevorzugt arbeitet sie in Öl, weil es sich damit ihrer Erfahrung nach körperlicher und mit weicheren Nuancen malen lässt. Die von ihr selbst entwickelte altmeisterliche Technik verleihe den Bildern in Kombination mit der oft angewendeten „alla prima“-Technik eine verhaltene Buntheit, erläutert die Künstlerin, die grelle Farben verabscheut. Und: „In jedem Bild kommt immer wieder die Zeichnerin durch.“

Auf einem großen Tisch im Atelier liegt ein Skizzenbuch, weitere sind im ganzen Haus verstreut. Auf der Staffelei sind Anfänge einer Auftragsmalerei zu sehen. In Wiesbaden und Mainz hat die Künstlerin zahlreiche Treppenhäuser und Räume von Privatleuten ausgemalt, wobei sie so manches Schlafzimmer kunstvoll in ein Kabinett verwandelt hat. Jeschke malt um des ästhetischen Vergnügens willen, wie sie sagt: „Bevor ich ein Bild billig verkaufe, verschenke ich es lieber“.